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Konstruktion und Planung mit einem Team in Tunesien

Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026

In vielen Konstruktions- und Planungsabteilungen liegen mehr Projekte auf dem Tisch, als das Team bearbeiten kann. Einige Unternehmen verteilen die Arbeit deshalb auf das Stammhaus und ein festes Team in Tunesien.

Dieser Leitfaden zeigt, welche Arbeit in Tunesien gut funktioniert, wer welche Verantwortung trägt, woran die Aufteilung scheitert und was Sie vor dem Start klären. Er gilt für Rohrleitungsplanung, EMSR und Elektrokonstruktion, Maschinen- und Anlagenkonstruktion sowie Gebäudetechnik und beruht auf unserer Arbeit mit Ingenieurteams in Tunis und Gesprächen mit Engineering-Leitungen.

Was in Tunesien gut funktioniert und was vor Ort bleibt

Gut funktioniert alles, was im Engineering-Werkzeug entsteht und sich gegen klare Vorgaben prüfen lässt. Vor Ort bleibt, was Präsenz in der Anlage, auf der Baustelle oder am Prüfstand braucht. Ob die Aufteilung trägt, hängt in jedem Fachbereich an einer Voraussetzung im Stammhaus.

FachbereichGut von Tunis ausVor Ort oder im StammhausWorauf es ankommt
Rohrleitungsplanung3D-Rohrleitungsmodell, Isometrien, Aufstellungsplanung, Stücklisten, Auswertung von PunktwolkenBestandsaufnahme und Laserscan, Abstimmung mit Verfahrenstechnik und Betreiber, MontageüberwachungAktuelle Bestandsdaten und vollständige Rohrklassen
EMSR und ElektrokonstruktionStellenlisten, Datenblätter, Stromlaufpläne, Klemmen- und Kabellisten, Schaltschranklayouts, Loop-DiagrammeBestandsaufnahme, Werksabnahme beim Schaltschrankbauer, Loop-Checks und InbetriebnahmeEin dokumentiertes Kennzeichnungssystem, etwa nach KKS oder IEC 81346, und die Herstellerdaten der Feldgeräte
Maschinen- und Anlagenkonstruktion3D-Konstruktion von Baugruppen, Zeichnungsableitung, Stücklisten, Variantenkonstruktion, ÄnderungenPrototypen, Versuche, Prüfstand, Abstimmung mit Fertigung und MontageDokumentiertes Fertigungswissen und gepflegte Normteilbibliotheken
Gebäudetechnik und BIMModellierung der Gewerke, Leitungsführung, Kollisionsprüfung, AusführungspläneAbstimmung mit Architektur und Bauleitung, Begehungen, BauüberwachungEin BIM-Abwicklungsplan mit klaren Modellierungsrichtlinien

Wer welche Verantwortung trägt

Die technische Verantwortung für einen Anlagenteil, eine Baugruppe oder ein Gewerk kann vollständig beim Team in Tunesien liegen. Das Team plant, löst technische Fragen selbst und vertritt seine Lösungen in den Design Reviews.

Im Stammhaus bleiben drei Dinge: das Gesamtkonzept, die Abstimmung mit Kunde und Betreiber und die formale Freigabe der Unterlagen. Die Freigabe gehört zu dem Unternehmen, das gegenüber seinem Kunden unterschreibt und haftet.

Woran die Aufteilung scheitert

Jedes Unternehmen arbeitet anders, ein Standardmodell gibt es deshalb nicht. Schwierig wird es meist dort, wo Erwartungen unausgesprochen bleiben: welche Aufgaben das Team übernimmt, nach welchen Vorgaben es arbeitet und wer seine Fragen beantwortet. Wer das vor dem Start klärt, vermeidet die meisten Reibungsverluste.

Worauf Sie im Fachgespräch achten

Sie wählen die Ingenieure selbst aus. Im Fachgespräch sagt ein Gang durch echte Projektunterlagen mehr als allgemeine Fragen.

  • Rohrleitungsplanung: Lassen Sie sich eine Isometrie oder einen Ausschnitt aus dem 3D-Modell erklären, mit Rohrklasse, Gefälle, Halterungen und Zugänglichkeit für Montage und Wartung.
  • EMSR und Elektrokonstruktion: Gehen Sie gemeinsam einen Stromlaufplan oder ein Loop-Diagramm durch, einschließlich Ex-Bereich, Kabelauslegung und Kennzeichnung.
  • Maschinen- und Anlagenkonstruktion: Besprechen Sie eine Zeichnung mit Toleranzen und Passungen und fragen Sie, wie das Teil gefertigt und montiert wird.
  • Gebäudetechnik und BIM: Lassen Sie sich zeigen, wie Kollisionen im Modell gefunden und mit den anderen Gewerken gelöst werden.
  • Arbeit mit deutschen Unterlagen: Klären Sie, wie die Person mit deutschen Dokumenten arbeitet, welche Teile sie sicher liest, wo sie Werkzeuge nutzt und welche Texte das Stammhaus prüft.

Was Sie vor dem Start klären

  • Zugang: Das Team arbeitet im selben Projekt und im selben Werkzeug, zum Beispiel AutoCAD Plant 3D, EPLAN, SolidWorks oder Revit, mit Ihren Stammdaten, Bibliotheken und Vorlagen. Über VPN und Remote-Desktop oder Ihre Cloud-Umgebung bleiben Modelle und Zeichnungen in Ihrer IT.
  • Vorgaben: Kundenspezifikationen, Werksnormen, Konstruktionsrichtlinien, das Kennzeichnungssystem und ein Musterprojekt. Diese Dokumentation hilft danach auch jedem neuen Kollegen im Stammhaus.
  • Ansprechperson: Ein erfahrener Ingenieur im Stammhaus verteilt die Pakete, beantwortet Fragen und prüft die Ergebnisse. Am Anfang braucht diese Rolle spürbar Zeit, danach weniger.
  • Prüfweg: Ergebnisse gehen durch dieselbe Prüfung wie Arbeiten aus dem Stammhaus. Rückmeldungen gehören schriftlich in das Dokument oder das Modell.
  • Erstes Paket: Ein klar abgegrenzter Umfang mit Revisionsstand und Termin, zum Beispiel die Isometrien für einen Anlagenteil, die Zeichnungsableitung für eine Baugruppe oder die Leitungsführung für ein Geschoss. Danach wächst der Umfang.
  • Kennenlernen: Wenn möglich ein persönliches Treffen in Tunis oder im Stammhaus.

Zeitzone, Feiertage und Sprache

Zeitzone. Tunesien bleibt ganzjährig auf UTC+1 und stellt nicht auf Sommerzeit um. Von Ende Oktober bis Ende März gilt in Tunis dieselbe Uhrzeit wie in Deutschland, im Sommer ist es in Tunis eine Stunde früher. Das Team nimmt an Ihren Projektbesprechungen teil.

Feiertage. Tunesien hat eigene gesetzliche Feiertage. Das Fest des Fastenbrechens und das Opferfest richten sich nach dem islamischen Mondkalender und rücken jedes Jahr um etwa elf Tage nach vorn. Der genaue Tag wird erst kurz vorher offiziell bestätigt. Tragen Sie die Feiertage beider Länder zu Jahresbeginn in den Projektkalender ein.

Sprache. Mit deutschen Kunden arbeiten die Ingenieure auf Englisch. Welche Unterlagen auf Deutsch sein müssen und wie wir das lösen, legen wir vor dem Start gemeinsam mit Ihnen fest.


Scope Merge rekrutiert und beschäftigt Ingenieure in Tunesien, die dauerhaft in den Projekten ihrer Kunden arbeiten.

Youssef Hedhili

Youssef Hedhili

Youssef Hedhili hat Elektrotechnik an der TU München studiert und Scope Merge gegründet. Vorher hat er die Operations bei Motor AI geleitet und bei PwC Unternehmen zu KI beraten.

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